Willkommen zum BWA Workshop
Gesamtdauer: ca. 3 StundenZiel des Workshops
Nach diesem Workshop können die Teilnehmer eine BWA lesen, verstehen und einschätzen, wie sich Entscheidungen auf die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen auswirken.
Workshop-Struktur
| Phase | Thema | Dauer | Methode |
|---|---|---|---|
| Phase 1 | Privathaushalt - Einnahmen, Ausgaben, Reserven | ~60 Min | Diskussion & Einzelarbeit |
| Phase 2 | Praxis - Einnahmen, Kosten, Gewinn (EBIT) | ~60 Min | Kleingruppenarbeit |
| Phase 3 | Gesamtfirma - Umlage, EBITDA, Gewinnverwendung | ~60 Min | Plenumsdiskussion |
Einstiegsfrage: "Wer von euch führt privat ein Haushaltsbuch oder nutzt eine App zur Übersicht über Einnahmen und Ausgaben?"
Ziel: Anknüpfen an bekannte Konzepte, Hemmschwelle abbauen.
Phase 1: Der Privathaushalt
ca. 60 MinutenLernziel dieser Phase
Die Teilnehmer verstehen die grundlegenden Konzepte von Einnahmen, Ausgaben und Rücklagen am Beispiel des eigenen Haushalts - als Basis für das Verständnis der Praxis-BWA.
Überleitung: "Bevor wir uns komplizierte Unternehmenszahlen anschauen, fangen wir dort an, wo jeder von uns Experte ist: beim eigenen Geldbeutel."
Warum starten wir privat?
- Jeder hat bereits Erfahrung mit Einnahmen und Ausgaben
- Die Prinzipien sind identisch - nur die Größenordnung unterscheidet sich
- Verständnis entsteht durch Selbsterkenntnis
- BWL-Begriffe verlieren ihren Schrecken
Eine BWA ist nichts anderes als ein "Haushaltsbuch für Unternehmen" - systematisch aufgebaut und standardisiert.
Einnahmen & Ausgaben im Privathaushalt
ca. 10 MinutenGruppenarbeit: Meine Einnahmen & Ausgaben
Aufgabe (10 Min): Sammelt in der Gruppe:
- Welche Einnahmen hat ein typischer Haushalt? Denkt an alle Geldquellen!
- Welche Ausgaben fallen an? Unterscheidet zwischen Fixkosten und variablen Kosten!
Tipp: Fixkosten sind jeden Monat gleich, variable Kosten schwanken.
Die Grundformel
ca. 5 MinutenDiskussionsfrage: Was passiert, wenn jeden Monat mehr rausgeht als reinkommt?
Diese einfache Formel gilt für Privatpersonen genauso wie für Unternehmen. Der einzige Unterschied: die Größenordnung und die Begriffe.
Überleitung: "Okay, wir haben einen Überschuss. Was machen kluge Menschen damit? Einfach alles ausgeben?"
Reserven bilden - Das Sicherheitsnetz
ca. 10 MinutenFrage ans Plenum: Was wird empfohlen als bar verfügbare Reserve für Haushalte?
Kurze Diskussion
Sammelt Meinungen: Wie viel sollte man als Reserve haben? Wofür braucht man diese Reserve?
Zusammenfassung Phase 1
ca. 5 MinutenÜberschuss → Reserve aufbauen!
Die goldene Regel für Privatpersonen:
12 Netto-Monatsgehälter als Barreserve für schlechte Zeiten.
Brücke zur Praxis: "Wenn das für Privatpersonen gilt - was denkt ihr, wie viel Reserve eine Arztpraxis braucht? Oder eine ganze Firma wie MCN?"
→ Spannung aufbauen, Überleitung zu Phase 2
Phase 2: Die Praxis - Einnahmen
ca. 15 MinutenLernziel
Teilnehmer verstehen, woher das Geld in einer Praxis kommt (= Umsatz).
Einstiegsfrage: "Wir haben gerade über Gehalt als Einnahme gesprochen. Was ist das 'Gehalt' einer Praxis? Woher kommt das Geld?"
Kleingruppenarbeit: Einnahmequellen einer Praxis
Aufgabe (10 Min): Sammelt alle Einnahmequellen, die euch einfallen!
Der BWA-Begriff: Umsatz
ca. 5 MinutenDer BWA-Begriff: All diese Einnahmen zusammen = UMSATZ (oder "Erlöse")
Transfer-Frage: Wenn wir "mehr Personal" fordern - wie wirkt sich das auf den Umsatz aus?
Spoiler: Mehr Personal allein ändert nichts am Umsatz! Es muss auch zu mehr Leistung oder mehr verkaufter Leistung führen.
Phase 2: Die Praxis - Kosten
ca. 20 MinutenLernziel
Teilnehmer entwickeln ein Bewusstsein dafür, was alles Kosten in einer Praxis verursacht - oft mehr als man denkt!
Kleingruppenarbeit: Was kostet eine Praxis?
Aufgabe (15 Min): Sammelt ALLE Kostenpositionen, die in einer Praxis anfallen. Denkt an alles!
Tipp: Denkt an einen normalen Arbeitstag - was wird alles gebraucht?
Phase 2: Gewinn & EBIT
ca. 10 MinutenEBIT = Earnings Before Interest and Taxes = Ergebnis vor Zinsen und Steuern
Das ist die zentrale Kennzahl, nach der wir Praxen bewerten!
Was sagt uns das EBIT?
- Wie wirtschaftlich arbeitet die Praxis?
- Ist sie profitabel oder macht sie Verlust?
- Vergleichbarkeit zwischen Praxen (ohne Finanzierungseffekte)
Analogie zum Privathaushalt: "Das EBIT ist wie Ihr monatlicher Überschuss - das, was übrig bleibt, nachdem alle Rechnungen bezahlt sind."
Die BWA-Struktur (vereinfacht)
ca. 10 Minuten| BWA-Position | Vorjahr | Aktuell | Δ % |
|---|---|---|---|
| Betriebsleistung | |||
| Umsatzerlöse | 480.000 € | 500.000 € | +4,2% |
| Personalaufwand | |||
| Löhne und Gehälter | - 210.000 € | - 230.000 € | +9,5% |
| Soziale Abgaben | - 50.000 € | - 50.000 € | ±0% |
| Sonstige Aufwendungen | |||
| Material + Sonstiges | - 120.000 € | - 120.000 € | ±0% |
| = Betriebsergebnis (EBIT) | 100.000 € | 100.000 € | ±0% |
Analyse-Frage: Der Umsatz ist gestiegen, aber das EBIT bleibt gleich. Warum? Was ist passiert?
Was kann die Bereichsleitung steuern?
ca. 15 MinutenLernziel
Teilnehmer verstehen, welche Einnahmen und Kosten sie als Bereichsleitung direkt beeinflussen können - und welche nicht.
Einstieg: "Wir haben jetzt gesehen, wie eine BWA aufgebaut ist. Aber die spannende Frage ist: Auf welche dieser Zahlen haben SIE als Bereichsleitung überhaupt Einfluss?"
Gruppenarbeit: Einflussfaktoren identifizieren
Aufgabe (10 Min): Bewertet jede Position: Was könnt ihr als Bereichsleitung direkt beeinflussen? Was liegt außerhalb eures Einflussbereichs?
| BWA-Position | Steuerbar durch Bereichsleitung? |
|---|---|
| Einnahmen (Umsatzerlöse) | |
| HZV (Hausarztzentrierte V.) | |
| KV-Leistungen (Kassenärztl.) | |
| Privatpatienten | |
| IGeL-Leistungen | |
| Kosten (Betriebsausgaben) | |
| Personalkosten (Lohn + SV) | |
| Raum-/Energiekosten | |
| Praxis-/Laborbedarf | |
| Fremdlabor | |
| Versicherungen/Beiträge | |
| Reise-/Fortbildungskosten | |
Eure größten Hebel
ca. 15 MinutenKleingruppenarbeit: Hebel in eurer Praxis
Aufgabe (15 Min): Diskutiert in Kleingruppen: Was sind in euren Praxen die größten Hebel? Schreibt eure Top-Hebel auf Post-its und pinnt sie ans Flipchart!
Material: Post-its + Flipchart/Pinnwand vorbereiten
Ablauf: Kleingruppen diskutieren → Post-its schreiben → an die Wand pinnen → gemeinsam clustern und besprechen
Mögliche Hebel
Das Personal-Planspiel
ca. 20 MinutenAufgabe: Dreht an den Stellschrauben und beobachtet, wie sich die Bilanz verändert!
👥 Personal (Ausgaben)
💰 Fallzahlen pro Tag (Einnahmen)
Phase 3: Die Gesamtfirma MCN
ca. 15 MinutenLernziel
Teilnehmer verstehen, wie aus den einzelnen Praxis-Ergebnissen das Gesamtergebnis der Firma entsteht.
Überleitung: "Jetzt haben wir verstanden, wie eine einzelne Praxis funktioniert. Aber MCN besteht aus vielen Praxen. Wie wird daraus ein Firmenergebnis?"
− Verwaltungskosten (Umlage)
= Firmen-EBIT
Wichtig: Die Summe aller Einzelergebnisse ist NICHT das Firmenergebnis! Die zentrale Verwaltung muss noch abgezogen werden.
StandortBWAs: Jetzt die vorbereiteten StandortBWAs aus Excel aufrufen und gemeinsam durchgehen.
→ Wichtig zu erklären: Diese StandortBWAs zeigen nur die halbe Wahrheit, weil die Verwaltungskosten noch hinzukommen!
Beispielrechnung: Firmenergebnis
ca. 15 MinutenWas macht die Verwaltung?
- Geschäftsführung
- Buchhaltung & Controlling
- Personalverwaltung (HR)
- IT-Infrastruktur
- Marketing & Kommunikation
- Qualitätsmanagement
- Einkauf & Vertragsmanagement
Gruppenarbeit: Fairer Umlageschlüssel
Aufgabe: Welcher Schlüssel wäre für die Umlage der Verwaltungskosten fair?
Mögliche Ansätze: Nach Umsatz? Nach Mitarbeiterzahl? Nach Fläche? Zu gleichen Teilen?
Verständnisfrage: Warum ist es fair, dass die Verwaltungskosten von allen Praxen gemeinsam getragen werden?
Wohin fließt der Gewinn?
ca. 15 MinutenTransferfrage: Denkt mal an euren privaten Haushalt – wenn am Monatsende Geld übrig war, was habt ihr damit gemacht?
Habt ihr das sofort ausgegeben oder habt ihr Rücklagen gebildet, für Urlaub gespart, etwas zurückgelegt?
Moderation: Sammelt kurz Antworten aus der Runde. Die meisten werden sagen: "Natürlich nicht alles verpulvert – man legt was zurück." Dann überleiten: "Genau so ist das auch bei einer Firma. Schauen wir uns an, was mit dem Gewinn wirklich passiert."
Best Practice: Die Arbeitsplatz-Garantie
ca. 15 MinutenBeispiel aus der Praxis: Ein Geschäftsführer legte immer so viel zur Seite, dass die Firma ein halbes Jahr ohne Neuaufträge überleben kann - ohne jemanden entlassen zu müssen.
"Das geht erst mal in die Reserve rein. Damit wir, wenn's uns schlecht geht, mindestens ein halbes Jahr lang Arbeitsplätze garantieren können."
− Kredittilgung
− Steuern
− Investitionen
− Reserven-Aufbau
= Verfügbarer Überschuss
Abschlussfrage: Wenn ihr jetzt hört "Die Firma macht 60 Millionen Umsatz" - versteht ihr, warum das nicht bedeutet, dass "60 Millionen da sind"?
Zusammenfassung & Abschluss
ca. 15 MinutenWas haben wir gelernt?
- Umsatz ≠ Gewinn: Vom Umsatz gehen erst alle Kosten ab
- Gewinn ≠ "Geld übrig": Gewinn wird für Reserven, Investitionen und Kredite gebraucht
- Mehr Personal = Mehr Kosten: Muss sich durch mehr Leistung/Umsatz rechnen
- Reserven = Arbeitsplatzsicherheit: Ohne Polster wird jede Krise existenzbedrohend
Abschlussfrage: "Was nehmt ihr aus diesem Workshop mit? Was hat euch am meisten überrascht?"
Offene Fragerunde
Zeit für Fragen, Diskussion und Feedback zum Workshop.
Vielen Dank für eure Teilnahme!
Bei Fragen stehe ich euch gerne zur Verfügung: